Kunst ist wesenhafte Darstellung des sinnlich und geistig Wahrnehmbaren in formaler Konzentration.
Diese Definition des österreichischen Dirigenten Hans Swarowsky, mit der sein Buch mit dem wunderbaren Titel WAHRUNG DER GESTALT eröffnet wird, ist mir Leitstern meiner Tätigkeit als Dirigent geworden. Es könnte ergänzt werden mit den Worten Stravinskis:
Ich habe oft gesagt, dass meine Werke gelesen, ausgeführt, aber nicht "interpretiert" werden sollen! Ich sage es noch immer, denn ich finde nichts in ihnen, was eine "Interpretation" erfordern würde!
Zugegeben: das Zitat klingt provokant in einer Zeit, die nach Interpretation, nach Emotion, wahlweise nach "positiver Energie" verlangt und mitunter geradezu schreit. Fügen wir dem noch das Verlangen Lachenmanns nach der Auseinandersetzung mit dem ästhetischen Apparat hinzu, dann sind 3 Pole benannt, in deren Spannungsfeld ich stets lustvoll und, wie ich denke, auch recht emotional gearbeitet habe. Viel ungewöhnliches Repertoire in Oper wie Konzert, das Übliche auf falsche Traditionen befragt, gewürzt mit einer Prise analytischen Herangehens – und dazu stets eine gute Portion Neues: dies alles aber möglichst im normalen Abokonzert oder Spielplan. AIDA, DON CARLO oder ZAR UND ZIMMERMANN neben JAKOB LENZ von Rihm, SONNENHAUS von Rautavaara oder EINSTEIN von Dessau am Theater Vorpommern . BEBEN von Terterian, INTOLLERANZA von Nono oder MAJAKOWSKIS TOD von Schnebel neben FLEDERMAUS, MARTHA (unter der Regie des großen Loriot!) oder IDOMENEO im Gärtnerplatztheater München, Voigtländer neben Charpentier und Lully mit der Dresdner Singakademie, Xenakis neben Mozart, Ligeti neben Bruckner mit dem Sinfonieorchester der Dresdner Musikhochschule - das sind Kontraste, in denen ich mich wohlfühle.
Willkommen auf diesen Seiten, die einen Einblick in mein aktuelles und mein "verklungenes" Tun geben.
ekkehard klemm
